Wiederentdeckt! im HLMD: Textile Bilder der 1950er Jahre in Darmstadt


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Wiederentdeckt! Textile Bilder – Ikonen der Nachkriegsmoderne im HLMD neu erleben
Ab 9. Juli 2026 entfaltet das Hessische Landesmuseum Darmstadt im Oberlichtsaal ein seltenes Kunsterlebnis: Vier monumentale Bildteppiche der 1950er Jahre kehren – zusammen mit erhaltenen Entwurfszeichnungen – als konzentrierte Kabinettausstellung zurück. Die Schau zeichnet nach, wie Textilkunst zwischen Figuration und Abstraktion die Ausstellungsatmosphäre des Hauses prägte und die Moderne ins Treppenhaus trug.
Textil als Bildträger: Dichte Gewebe, starke Formen, lebendige Farbe
In der Werkbetrachtung überzeugt die Materialpoetik: Kett- und Schussfäden formen klare Konturen, matte Wolle trifft auf changierende Garne, Flächen atmen. Die Raumwirkung der großformatigen Tapisserien entfaltet sich im weichen Oberlicht – Konturen werden plastisch, Farbfelder pulsieren, das Gewebe spricht als eigenständige Bildhaut.
Bauhaus-Erbe und Manufakturtradition
Else Mögelin – am Weimarer Bauhaus u. a. bei Johannes Itten, Paul Klee und Gerhard Marcks geprägt – überträgt avantgardistische Farb- und Formideen in die Weberei und verbindet sie mit handwerklicher Exzellenz. Johanna Schütz-Wolff, prägende Leiterin der Textilklasse an der Burg Giebichenstein, etablierte die Tapisserie als autonome Kunstrichtung; ihr Wandteppich Frau und Knabe (1956, Ausführung: Münchner Gobelinmanufaktur) steht exemplarisch für eine figürlich verdichtete Bildsprache.
Darmstädter Handschrift: Inge und Fritz Vahle
Zur jüngeren Generation zählt das in Darmstadt ansässige Künstlerpaar Inge und Fritz Vahle. Ihre Wandteppiche, aus der Nähe der eigenen Atelierpraxis entwickelt, verbinden grafische Reduktion, rhythmische Ornamentik und warme Materialität – Textil als zeitgemäße Bildfläche der Nachkriegszeit.
Ausnahme im Oeuvre: Fritz Winter in Fäden gedacht
Fritz Winter, einer der bedeutendsten abstrakten Maler der Bundesrepublik, schuf nur zwei Tapisserien – eine davon für Darmstadt. Das Werk wurde 1959 auf der II. documenta in Kassel prominent gezeigt: Malerische Energie übersetzt sich in Gewebestrukturen, Linienbündel und Farbinseln geraten in vibrierende Balance.
Kuratierung mit historischer Tiefenschärfe
Kurator Dr. Wolfgang Glüber verortet die vier Bildteppiche kunsthistorisch im Spannungsfeld von figürlicher und ungegenständlicher Textilkunst der 1950er Jahre. Die Präsentation der Entwurfszeichnungen öffnet den Blick auf künstlerische Prozesse – von der Studiumsskizze bis zur manufakturellen Ausführung.
Museumspädagogik und ästhetische Erfahrung
Als Universalmuseum bietet das HLMD vielfältige Vermittlungsformate: Familien- und Schulangebote, Führungen, inklusiv gedachte Zugänge. Barrierefreie Wege vom Q-Park Schlossgarage und ein Orientierungsplan erleichtern den Besuch; Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre erhalten freien Eintritt – ein starkes Signal kultureller Bildung.
Fazit: Diese Kabinettausstellung lässt die Nachkriegsmoderne in leuchtenden Fäden neu aufleben. Wer Farben, Formen und Materialien in ihrem eigenen Atem spüren will, sollte diese Textilbilder im Original sehen – für eine dichte ästhetische Erfahrung, die nur der reale Museumsraum schenkt.
Offizielle Kanäle von Hessisches Landesmuseum Darmstadt:
- Instagram: Kein offizielles Profil gefunden
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- YouTube: Kein offizielles Profil gefunden
- Website: https://www.hlmd.de/
Quellen:
- Wiederentdeckt! Textile Bilder – Hessisches Landesmuseum Darmstadt (Offizielle Ausstellungsseite)
- Barrierefreies Museum – HLMD
- Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle – Johanna Schütz-Wolff
- Else Mögelin – Wikipedia
- Atelierhaus Vahle – Wikipedia
- documenta II – Wikipedia
- HLMD bei museum.de – Adresse und Serviceinfos









